»Des Kraftwerks neue Kleider« Heizkraftwerk, Würzburg
Im Jahr 1954 als Kohlekraftwerk errichtet, spielt das Heizkraftwerk an der Friedensbrücke heute, nach 70 Jahren, mehr denn je eine elementare Rolle auf dem Weg zur Klimaneutralität Würzburgs. Immer wieder führt die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) umfangreiche Modernisierungen zur Steigerung der Effizienz und Flexibilität durch. Heute ist das Heizkraftwerk eine hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen Anlage, die für das werktägliche An- und Abfahren konzipiert wurde, um Stromspitzen abzudecken. Zuletzt wurde ein Wärmespeicher installiert. Diese Schlüsseltechnologie ermöglicht es, überschüssige Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, zwischenzuspeichern und bei Bedarf in das Fernwärmenetz einzuspeisen. An die seit 2002 geplanten Erweiterungen knüpft die Stadt die Bedingung gestalterischer Aufwertung. Ein Wettbewerb für die Fassadengestaltung wurde ausgelobt, den wir gewinnen durften. Seit nunmehr 25 Jahren begleiten wir diesen Veränderungsprozess immer wieder architektonisch und städtebaulich.
Seit seiner Errichtung hat das Heizkraftwerk mehr als ein Dutzend Ausbaustufen erlebt. Eingeplant war die Architektur im Zuge des großen Modernisierungsabschnittes GuD I zu Beginn des neuen Jahrtausends nur bedingt. Die Umgestaltung rangierte an letzter Position der Kostenschätzung mit dem Titel »Unvorhergesehens und Architektur«. Veranschlagt mit 2,5 Millionen Euro bei Gesamtkosten von 90 Millionen Euro. Es ging darum, ein Kraftwerk zu modernisieren, Wirkungsgrad und Effizienz zu erhöhen. Nur wenn strenge Kostendisziplin gewahrt wurde und nichts Unvorhergesehenes passierte, sollte Geld für die Architektur ausgegeben werden.
Die Modernisierung des Heizkraftwerkes Würzburg bei laufendem Betrieb war in allen Stufen technisch höchst komplex. Hier der spektakuläre Ausbau der alten Kesselanlage im Herzen des Organismus.
Zwingende Anforderung an die Architektur war es, dass die neue Hülle sich beweglich zeigt und anpassungsfähig ist.
Jeder Aluwinkel, jedes Metallprofil und jeder Pfosten lassen sich ab- und wieder anmontieren. Auch die Kosten konnten durch die unterschiedlichen Neigungswinkel der Fassadenelemente gesteuert werden.
Das farbliche Wechselspiel der Fassade und die sich immer wieder ändernde Rhythmik erzeugen einen erstaunlichen Effekt, wenn sich die Metallstruktur mit den dahinter liegenden Weinbergen zu verbinden scheint.
»Wir hatten bei der Projektkostenplanung eine Position mit fünf Prozent der Gesamtkosten, die Unvorhergesehenes hieß. Normal geht man da so von 10 bis 15 Prozent aus. Es war ja ein Umbau, kein Neubau. Und ein Umbau im laufenden Betrieb ist sehr kompliziert. Na ja! Wir wollten der Architektur eine Chance geben. Und dann habe ich gesagt, benennen wir den Posten in Unvorhergesehenes und Architetktur um. Wobei die Reihenfolge schon sehr wichtig ist. Und alle haben mitgezogen.«
Armin Lewetz, Geschäftsführer Technik und Immobilien, Vorstand STW
Stadtraum und Energie
Durch sein neues Kleid und seine neue städtebauliche Einbindung wurde das Heizkraftwerk vom »Schandfleck zum Hingucker«, wie die Lokalzeitung damals titelte. Das Gebäude ist kommunikativ und erzählt, was in ihm geschieht:
Wichtig war dem Bauherren und uns, das Heizkraftwerk in die Stadt und den Alten Hafen einzubinden, der heute ein Kulturquartier ist. Zum Wasser ist eine große Terrasse mit Freitreppe unter einer Auskragung entstanden, zu der jeder Zugang hat. Im Sommer wird beides zur Bühne für das Musik- und Kulturfestival »Hafensommer« oder für Hochzeitspaare, die hier immer wieder ihre Shootings machen. Das Kraftwerk ist Teil der Stadt, nicht nur architektonisch und städtebaulich, sondern auch gesellschaftlich.