»Reflexion« Transformation Gymnasium Neustadt an der Waldnaab, Neustadt an der Waldnaab
Ein Lernhaus auf einer Lichtung im Wald, hineinkomponiert in das Gelände, welches über die Jahre dicht bewachsen und von der Natur zurückerobert wurde. Was für ein toller Ort – zurückgezogen und lebendig zugleich! Das Gymnasium ist Teil eines Campus für alle Schulen und überzeugt architektonisch mit einer beeindruckenden Beton-brut-Architektur von 1977, großzügigen Grundrissen und viel Außenbezug durch die Split-Level-Bauweise. Die Ausführungsqualität der Bestandsgebäude war an vielen Stellen gut. Für die Lehrer und Schüler war das Schulgebäude ein ungeliebtes Kind mit undichten Dächern, vielen dunklen Räumen und einem zugewachsenen Innenhof, für uns Architekten ein echter Glücksfall mit großem Potential ein echter Ort für zeitgemäßes Lernen zu werden. Eine Reflexion über das Lernen und den Umgang mit dem Bestand.
Wir unterstützen die Stärken des Gebäudes, das sich schon ein halbes Jahrhundert sozial bewährt hat, und entwickeln aus den Schwächen echte Chancen. Ziel war die respektvolle, reflektierte, ressourcenschonende Transformation des in die Jahre gekommenen Ensembles in einen energetisch, technisch und funktional zukunftsfähigen Ort des Lernens, in einen Ort der Kommunikation, der Begegnung, aber auch des Rückzugs. Auch die Herangehensweise an die Materialien reflektiert den Bestand und ist konsequent nachhaltig. Außen korrespondieren die alten Betonelemente mit neuen Aluminiumelementen. Die Betonfassade bleibt wirksam und architektonisch präsent, wird jedoch durch Reflexionen rhythmisch unterbrochen und aufgewertet. Die neuen Fassadenteile wurden mit Aluminium verkleidet.
Nach einem vor Ort festgelegten Rythmus wurden schmale Aluminiumbleche in die Rillen des Strukturbetons geschraubt.
Das Haus wird so noch mehr Teil der umgebenden Natur.
Wir realisieren eine komplett neue Eingangssituation mit einer neuen Treppe aus den alten Steinen, grünen Pausenhöfen und einem Theaterhof mit Freilichtbühne. Die Treppe führt direkt zum Haupteingang. Die Gebäude bekommen durch den sensiblen Rückbau eines Klassenzimmertraktes eine klare Form.
Lehrer und Schüler betreten die Schule über einen neuen, in Holz gefassten Eingang, sie werden von warmen hellen Farben, wertigen Materialien und lichtdurchfluteten Räumen empfangen. Die Flure bleiben weit, enden aber mit einem Blick in die umgebende Natur, sind echte Kommunikationszonen mit Sitznischen in den Wänden geworden. Nicht der Zeit unterworfene, vorhandene, qualitätvolle Flächen blieben und wurden aufbereitet und in das Gestaltungskonzept integriert – etwa Natursteinböden abgeschliffen oder Ziegelwände weiß geschlämmt. Auch die neuen Materialien sind warm, wertig und können vor dem Morgen bestehen. Holz, Linoleum, Naturstein, Mauerwerk oder Textil – immer wieder unterbrochen von Holzintarsien, die Garderoben, Sitznischen oder Türen beheimaten.
Ein Projekt, das sehr vom harmonischen Miteinander aller Beteiligten sowie dem Respekt vor dem Gebäude und der Qualität der neuen Schule profitiert hat. So konnte durch die gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten, insbesondere der Schüler, Lehrer und der Schulleitung, auf eine kostenintensive Containerauslagerung verzichtet und die Schule im laufenden Betrieb saniert werden. So eingesparte Kosten kamen der Ausstattung des Gebäudes zugute.
Ein Projekt, das reflektiert – auf vielen Ebenen, das Licht, die Natur, den Umgang mit Bestandsbauten oder auch das Lernen. Bildung in Beton aus den 1970er Jahren kann sehr qualitätsvoll werden.