Wie ein Fels

»Wie ein Fels« Neubau Granitmuseum Bayerischer Wald, Hauzenberg

Im April 2001 wurde ein architektonischer Realisierungswettbewerb für das Granitmuseum Bayerischer Wald in Hauzenberg ausgelobt. Unser Entwurf „Wie ein Fels“ ging als 1. Preis aus diesem Wettbewerbsverfahren hervor.
Die fächerförmige Anordnung der Gebäude als gebaute Fortsetzung der natürlichen Felsformation soll als zeichenhafte Landmarke wirken. Der eingeschossige, mehrfach gestaffelte Baukörper umschließt im Westen den vorhandenen Steinbruchsee und wirkt durch seine mauerhafte Körperlichkeit sehr präsent. Die architektonische Idee lebt von der Integration des Gebäudes in die einzigartige, massive Steinbruchlandschaft direkt am Ortseingang der Stadt Hauzenberg.

Die Materialität des Museums entwickelt sich aus der Thematik der Gewinnung des Granits im Steinbruch bis zur veredelten Oberfläche. Vom Blocklager zu den gebrochenen Steinquadern bis hin zu feinst polierten Oberflächen wird das Material Granit massiv verwendet. Alle weiteren beim Museumsbau verwendeten Materialien entwickeln ihre Ästhetik aus den seit Jahrhunderten in Steinbrüchen vorhandenen Materialien – verwittertes Eichenholz, Granit und roher Stahl. Alle gegossenen Betonteile wurden mit Grafitstaub beschichtet, da der „verwandte Bodenschatz“ Grafit (Grafitbergwerk Kropfmühl 5 km von Hauzenberg entfernt) die Anmutung und Ausstrahlung der Innenräume mit seinem einzigartigen Glanz enorm bereichert.

Die Erschließung erfolgt entlang der nördlichen Wände, die den Besucher wie selbstverständlich in das Museum leitet. Der Eingang ist durch die Stellung der Gebäudeteile eindeutig definiert und soll durch seine architektonische Ausbildung den Eintritt in den „gebauten Stein“ symbolisieren. Selbstverständlich ist auch die Wegeführung durch das Gebäude, der zurückgezogene Eingang, der schlanke Aufstieg zum Granitrundweg und die großzügige, tieferliegende Glasfassade (Kristall) zum historischen Freigelände (Schausteinbruch der Jahrhundertwende) sind in besonderer Weise auf Erlebnis ausgerichtet. Die Innenräume (3 Steine und 1 Kristall) folgen den natürlichen Felsschichtungen, der Topografie im Steinbruch und leben vom Spannungsfeld zwischen Dunklem und Hellem bzw. introvertierten und extrovertierten Räumen. Die Dauerausstellung nahe am Wasserspiegel des Sees mit bühnenhafter Wirkung in der Kulisse der Felswände bildet das zentrale Gelenk im Gebäudekomplex. Das Leitbild „Wie ein Fels“ lebt konsequent aus der Materialität des Ortes und atmet das Wesen des Steins.

Es wurden ausschließlich die natürlichen Materialien Granit, Eichenholz, Eisen und Grafit in Verbindung mit Beton verwendet. Ein Großteil der Fassaden und die Schüttungen auf den Dächern wurden aus dem bruchrauen Restmaterial der Granithalden in den vorhandenen Steinbrüchen gewonnen. Das Gebäude selbst hat durch seine kompakte Bauform und die Integrierung des vorhandenen Steinbruchs und des tiefen Steinbruchsees ein sehr wirtschaftliches Energiekonzept. Es baut auf der Bauteilaktivierung (massive Stein- und Betonwände und Böden) und einem sehr reduzierten museumsklimatischen Grundkonzept auf. Die natürlichen Steinwände und die neuen Betonwände wurden mit Heizleitungen aktiviert und die große Masse des gesamten Gebäudekomplexes konnte durch die Temperierung dieser Bereiche sinnvoll genutzt werden. Durch die gute Ausrichtung des Gebäudes zum Steinbruchsee werden auch in den Sommermonaten die natürlichen Kühleigenschaften (Konvektion) optimal ausgenutzt. Die gesamte Gebäudetechnik inklusive Beleuchtung, Temperierung, Bauteilkühlung und Lüftung konnte in dem vorhandenen Finanzbudget mit einem Kostenansatz von 15 % realisiert werden und sorgt dadurch für einen äußerst sparsamen Unterhaltsbetrieb.

Projektname
Wie ein Fels | Neubau Granitmuseum Bayerischer Wald
Bauherr
Stadt Hauzenberg und Landratsamt Passau
Standort
Hauzenberg, Niederbayern, Bayern
Fertigstellung
2005
Mitarbeitende
Robert Reith; Stefan Dostler; Sebastian Forster
Fotografie
André Mühling, München; Peter Manev, Selb; mju-fotografie, Marie Luisa Jünger, Hümpfershausen
Auszeichnungen
2013: Iconics Award; 2007: Natursteinpreis (Lobende Erwähnung); 2007: best architects 08 award; 2005: BDA-Regionalpreis Niederbayern-Oberpfalz (Auszeichnung)

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